• MFN Team

Corona und die Start- Ups

Aktualisiert: vor 4 Tagen

Ein Blick hinter die Kulissen des Kaffee-Start-Ups My Fair Network


2020 ist zwar noch nicht vorbei, aber auch nach jetzigem Stand können wir uns sicher sein, die letzte Zeit nicht so schnell zu vergessen. Und auch wenn all das, was uns in Atem hält, noch längst nicht überwunden ist, können doch zwei junge Leute in Leverkusen - zumindest kurz - durchatmen. John und Till von My Fair Network, die während der Zeit des ersten Lock Downs über 10.000 Kilometer zwischen sich hatten, sitzen mir nun bei einem Tässchen Premiumkaffee gegenüber und geben bereitwillig Auskunft über das Dasein als Gründer eines Start-Ups in diesem Jahr.


Was war der erste Moment, in dem Corona eure Firma konkret beeinflusst hat?

Till: Das erste Mal haben wir die Pandemie so richtig zu spüren bekommen, als klar war, dass John bis auf unbestimmte Zeit in Kolumbien festsitzen wird. Sein gebuchter Rückflug nach Deutschland wurde abgesagt, Ersatz gab es nicht. Dazu muss man wissen, dass der Lockdown in Kolumbien trotz anfänglicher Leugnung des kolumbianischen Präsidenten des Virus schneller und mit drastischeren Mitteln kam, als wir es in Deutschland erlebt haben. Die Schutzvorkehrungen der Regierung wurden beispielsweise in Palmira, wo wir unseren Hauptstandort haben, mit Militär und Polizei in aller Brachialität durchgesetzt. Für John bedeutete die Situation eine spontane Flucht zu Mauricio, einem unserer Produzenten aufs Land. In der Hoffnung, dass es doch noch Rückflüge geben würde, war Johns Ziel die Stadt Sevilla, um von da aus möglichst nah an Bogota heranzukommen. Mit einer abenteuerlichen Fahrt durchs Land gelang dies zum Glück auch. Die Freude, als John durch die zweite Rückholaktion des Außenministeriums wieder in Deutschland landete, war sehr groß!


John hat die Zeit im Lockdown genutzt um den Kaffeeprozess noch besser zu verstehen, hier hilft er Mauricio bei der Selektion.

Wie hätten die letzten Monate für euch ohne Corona ausgesehen?

Till: Die letzten Monate hätten wir unter anderen Umständen für die Erweiterung des Bekanntheitsgrades und für das Ausstellen auf Messen genutzt. Unsere geplante Teilnahme an der Expo42 in Luxemburg hätte beispielsweise den Kontakt zu vielen Menschen hergestellt. Gerade als Start-Up braucht man den persönlichen Kontakt zum Networken, um potenzielle Kunden zu treffen, die Ideen und Träume einer breiteren Masse zugänglich zu machen und sich mit anderen Start-Ups auszutauschen. Außerdem wären wir an mögliche Geschäftskunden herangetreten, die jetzt natürlich gleichermaßen von der Krise betroffen sind und teilweise sogar ganz schließen mussten. Dazu zählen beispielsweise Cafés oder Unternehmen, die ihre Mitarbeiter ins Home-Office geschickt haben.


Versuchen wir ab jetzt nur die positiven Seiten der letzten Zeit zu betrachten: Welche Chancen haben sich für euch durch den Lauf der letzten Monate ergeben?

John: Das Bewusstsein für Veränderungen ist momentan sehr groß und dementsprechend natürlich auch die Chancen, die sich daraus ergeben. Wir können flexibel sein und uns auf unerwartete Situationen einlassen, was ein Vorteil ist, den wir nicht verlieren dürfen. Aufgrund unserer noch geringen Kunden- und Produzentenzahl können wir sehr schnell agieren und zusammenarbeiten. Die Krise hat uns Zeit gegeben, um unser Geschäftsmodell zu verfeinern. Wir haben unsere Zeit nicht nur zum „Kaffee Verkaufen“ genutzt, sondern beispielweise auch für unser Kaffee- Individualisierungsangebot. Das wäre unter anderen Umständen erst nach verstärktem Vertrieb umgesetzt worden. Wir haben in der letzten Zeit viel gelernt und wenn wir eine der größte Wirtschaftskrise der letzten hundert Jahre überleben, dann wissen wir, dass wir als Unternehmen relativ krisensicher sind.

John und Till wieder in Deutschland vereint beim Kaffeetrinken und Lachen.

Zum Abschluss: Was nehmt ihr aus dieser globalen Krise für euch und euer Unternehmen mit?

Till: Als Gründer versuchen wir in allem das Positive zu sehen. Ich nehme also dementsprechend die Krise als Katalysator und Chance wahr.

John: Genau! Und deswegen auch nicht aufhören und nicht aufgeben! Vor der Krise war es für uns schon schwierig und ich bin froh, dass wir uns davon nicht einschüchtern gelassen haben. Unsere Umsatzzahlen haben sich wieder erholt und damit haben wir bei Produzenten, bei Investoren und bei Banken Vertrauen gestiftet. Generell lasse ich die Krise an mich persönlich nicht zu nah heran, da sich das für uns in der Vergangenheit im Umgang mit anderen schwierigen Situationen bewährt hat. Egal was passiert: Unser erlerntes Wissen und unsere Vision kann uns keine Krise nehmen.

©2020 My Fair Network UG (haftungsbeschränkt)

gefördert durch das: